Phytotherapie

Die chinesische Kräuterheilkunde ("Phytotherapie") gehört zusammen mit der Diätetik zu den "inneren Verfahren". Sie ist im Hinblick auf die Verbreitung in China und auf die therapeutische Reichweite die mit Abstand wichtigste Behandlungsmethode der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM).
Die Arzneitherapie besteht in der Verordnung von Rezepturen aus Pflanzen und Pflanzenteilen, seltener auch mineralischen Naturstoffen oder tierischen Bestandteilen. Tiere, die vom Aussterben bedroht sind, werden in der seriösen TCM nicht verwendet. Die häufigste Zubereitungsform der chinesischen Arzneien ist die Abkochung, das Dekokt.

  • Die Chinesische Phytotherapie arbeitet mit hoch wirksamen Kräutern
  • Sie werden in der Regel als Abkochung zubereitet. Dabei erhält man ein Konzentrat, das vor dem Trinken mit heißem Wasser verdünnt wird.
  • Die Kräuter sind teilweise in Deutschland unter biologischen Kriterien angebaut worden, teilweise kommen sie aus China. In entsprechend qualifizierten Apotheken erhalten Sie die auf Schadstoffe geprüften Kräuter.
  • Zur Behandlung kommen überwiegend Menschen mit chronischen Erkrankungen, daher dauert die Behandlung auch entsprechend lange. Eine Faustregel besagt, dass man mit ca. 1/3 der Dauer einer Erkrankung rechnen kann. Auch akute Erkrankungen wie Erkältungen und Hexenschuß können behandelt werden.

Welche Erkrankungen können behandelt werden?

  • akute und chronische Erkrankungen der Atemwege einschließlich Asthma
  • Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes einschließlich Morbus Crohn und Colitis ulcerosa
  • Hauterkrankungen wie z.B. Neurodermitis, Psoriasis
  • Frauenkrankheiten wie Zyklusstörungen, Prämenstruelles Syndrom, Schmerzen bei der Regel, unerfüllter Kinderwunsch, klimakterische Beschwerden
  • Infektanfälligkeit, besonders auch bei Kindern, Mittelohrentzündungen, Tubenkatharrh und dadurch bedingte Schwerhörigkeit
  • Erkrankungen des Bewegungsapparates wie Beschwerden von Seiten der Wirbelsäule, Gelenkerkrankungen wie Rheuma und Arthrose
  • Migräne und Kopfschmerzen, auch zyklusabhängig
  • Neurologische Erkrankungen wie Polyneuropathie, MS
  • Allergien, Heuschnupfen
  • Ergänzend bei Tumorbehandlung zur besseren Entgiftung und Verträglichkeit der Tumortherapie
  • Nachbehandlung nach schweren Erkrankungen und Operationen, um wieder richtig auf die Beine zu kommen
  • Burnout, Erschöpfungszustände, Schlafstörungen

Wie läuft eine Behandlung ab?

Voraussetzung zur Anwendung der chinesischen Kräuter im Sinne der TCM sind:

  1. eine ausführliche Anamnese, in der neben Vorerkrankungen auch aktuelle Befindlichkeiten erfragt werden: z.B. Frieren, Schwitzen, Durst, Appetit, Schlaf, Blähungen, bei Frauen die Zyklusanamnese sowie die emotionale Situation – also alles, was Sie an sich beobachten und Sie besorgt macht, verunsichert und die von anderen Ärzten oft nicht beachtet werden („Damit müssen Sie leben, ihre Laborwerte sind doch gut.“).
  2. die Zungendiagnose
  3. die Pulsdiagnose

Danach rezeptiere ich eine Kräutermischung, die auf Ihren Krankheitszustand zugeschnitten ist. Jeder Kranke wird also individuell behandelt. So kann es vorkommen, dass eine Erkältung selbst bei Familienmitgliedern mit unterschiedlichen Kräutern behandelt wird, je nach den erhobenen Befunden. Diese Kräuter werden als Auszug abgekocht und mit warmem Wasser verdünnt über den Tag getrunken. Zu Beginn ist eine Rückmeldung nach ca. 10 Tagen erforderlich. In diesem Zeitraum ist oft noch keine durchgreifende Wirkung zu erwarten, aber ich kann danach abschätzen, ob Anpassungen in der Rezeptur erforderlich sind. Wichtiges Kriterium ist z.B., ob der Extrakt „trinkbar“ ist, also keinen Widerwillen beim Trinken auslöst, ob vermehrt Blähungen aufgetreten sind. Danach sind Rückmeldungen in längeren Abständen empfehlenswert.

Welche unerwünschten Wirkungen gibt es?

Die chinesischen Kräuter sind hochwirksame Mittel und können deswegen neben den erwünschten auch unerwünschte Wirkungen zeigen.
Risiken durch Herbizide und Pestizide, wie sie in der Presse immer wieder beschrieben wurden, können minimiert werden, indem Sie die Kräuter aus einer Apotheke beziehen. Das garantiert, dass die Kräuter auf Schadstoffe untersucht sind. Außerdem sollten Sie den Satz bei den Abkochungen nicht trinken. Da die Herbizide und Pestizide nicht wasserlöslich sind, ist dadurch auch die Gefahr einer Belastung stark minimiert. Es wurde auch über schwere Erkrankungen und Todesfälle in Belgien berichtet im Zusammenhang mit Kräutern, die zur Gewichtsabnahme eingenommen wurden. Dabei stellte es sich heraus, dass es sich um Fertigpräparate handelte, denen chemische Substanzen beigemischt waren, die für die Nierenschäden verantwortlich waren. Aus diesem Grund warne ich vor Fertigarzneimitteln! Es gibt immer wieder Berichte, dass diesen Fertigarzneimitteln Cortison oder Rheumamittel beigemischt werden. Wenn man die reinen Kräuter aus der Apotheke bezieht, ist sicher, dass es keine unerwünschten Zusätze gibt. Hält man sich dann auch noch an die Regel, die Kräuter nur so lange zu sich zu nehmen, wie man sie ohne Widerwillen oder Ekel nehmen mag und lässt in regelmäßigen Abständen Puls und Zunge überprüfen, ist die Wahrscheinlichkeit von unerwünschten Wirkungen eher unwahrscheinlich.

Entstehung von Erkrankungen

In der TCM, insbesondere zur Anwendung der Phytotherapie, gibt es verschiedene Modelle, die erklären, wie man sich die Entstehung von Erkrankungen vorstellt, und die die Grundlage für die Behandlung bilden. Für die Phytotherapie (Kräuterheilkunde) ist eine intensive Kenntnis dieser Modelle Voraussetzung. Zur Kräuterheilkunde gibt es in China über 2000 Jahre alte schriftliche Überlieferungen. Interessant ist dabei, dass sie immer wieder an die entsprechenden Gegebenheiten in der Umwelt angepasst wurden. Stand zunächst das Problem der von außen eindringenden krankmachenden Ursachen (klimatische Ereignisse) wie Kälte, Wind, Trockenheit, Hitze und Feuchtigkeit im Vordergrund, entwickelten sich in späterer Zeit Ergänzungen, z. B. die Mitten-Schule, in der es um Erkrankungen ging, die durch Ernährung und andere Überlastungen ausgelöst werden.
Gerade für unsere heutige Zeit ist die Theorie der „Mitten-Schule“ interessant, die besagt, dass die „Mitte“ als Bereich, der Nahrung, Information und Umwelteinflüsse aufnimmt und verarbeiten muss, eine wichtige Rolle spielt. Kommt es dort zur Überlastung, entsteht „Schleim“, in unserer westlichen Naturheilkunde auch als Schlacken bezeichnet.
Dieser Schleim kann entweder als sichtbarer Schleim ausgeschieden werden, z.B. bei Erkältungen wie Nebenhöhlenentzündungen, Bronchitis oder als Ausfluss oder er wird im Gewebe deponiert (bei Arthrosen, bei Knotenbildungen oder als Steine – Galle und Niere).
Ich arbeite im wesentlichen auf Basis der Erkenntnis, dass unsere Lebensbedingungen andere Erkrankungen hervorrufen als die, die im alten China, aber auch im China der 50er Jahre bekannt waren. Wir leben nicht in einer Mangelsituation, wie es in China über Jahrtausende der Fall war, sondern in vielen Bereichen im Überfluss. Wir essen mehr als wir brauchen, dazu häufig Nahrungsmittel mit geringem Nährwert, nehmen viele Informationen auf, die verarbeitet werden müssen, haben „Stress“ in bisher ungekanntem Maß, wenig körperliche Bewegung und Medikamente, die Erkrankungen eher unterdrücken als die Ausheilung zu ermöglichen. Das alles zusammen führt zu den so genannten Zivilisationskrankheiten, die sich besonders dadurch von vielen früheren Krankheiten unterscheiden, dass sie chronisch verlaufen.

Wie wirken die Kräuter?

  • Bei akuten Erkrankungen, die durch äußere klimatische Faktoren hervorgerufen werden, treiben die Kräuter Wind, Kälte, Feuchtigkeit, Hitze aus oder befeuchten bei Trockenheit. Bei solchen Erkrankungen tritt die Wirkung recht schnell ein.
  • Bei chronischen Erkrankungen wird zunächst unterschieden, ob sie auf einer Störung im Qi-Fluss beruhen, dann kann entweder der Energiefluss durch Emotionen, Anspannung oder Kälte behindert sein (der Mensch friert dann häufig, wirkt verlangsamt). Dann werden Kräuter eingesetzt, die den Qi-Fluss wieder in Gang bringen und ihn regulieren, indem sie die Blockierung lösen oder erwärmen.

Ist das „Blut“ in seiner Funktion als nährende Substanz überladen mit „Schleim“ (Schlacken) und kann deswegen nicht richtig fließen, muss eine Reinigung, Ausleitung, meistens über den Darm (mit durchfallähnlichen stinkenden Stühlen) oder die Nieren, (dann riecht der Urin intensiver und ist dunkler). Eine solche Behandlung kommt vor allem für Menschen in Frage, die träge und müde sind, „trübe“ Gedanken haben. Das Blut kann aber auch durch Hitze in seiner Funktion gestört werden, das kann sich in Blutungen ausdrücken, einem verkürzten Zyklus bei Frauen bis hin zum Herzinfarkt. Dann wird man mit Blut kühlenden Kräutern Abhilfe schaffen.

Ausführliche Informationen zur chinesischen Kräuterheilkunde finden Sie auf den Seiten der Klinik am Steigerwald und der Klinik Silima und in den Büchern "Das Gesetz der Balance" von Dr.med. Fritz Friedl (Verlag Graefe und Unzer) sowie "Chinesische Medizin für die Westliche Welt" von Dr. Dr.med. Christian Schmincke (Springer Verlag).

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) Seit 1997 intensive Aus- und Weiterbildung im Rahmen der DÄGFA und der DECA, Weiterbildungsaufenthalte in China und Bulgarien. Im Umfeld der Klinik am Steigerwald und der Klinik Silima nehme ich an Fortbildungen teil und besuche außerdem einen monatlichen Qualitätszirkel für Akupunktur und einen für chinesische Kräutertherapie nach den Lehren der DECA.

Trinkanleitung für Dekokte

Kochanleitung für Dekokte